SCHRiTTE kommt nach 20 Jahren wieder – in die Cafés!

Ist das klug, eine vor 35 Jahren erstmals erschienene Zeitschrift, die vor 20 Jahren eingestellt wurde, wieder herauszubringen? SCHRiTTE wieder in die Cafés und öffentlichen Plätze bringen?

Sie war die Wurzel des axel dielmann – verlages, dessen Programm ist aus den Kontakten und Gesprächen mit den damaligen SCHRiTTE-Autoren hervorgegangen. Auch aus ihren Manuskripten, die sie einreichten, und aus den Redaktionsgesprächen und Lektoratserlebnissen ihrer Manuskripte, die immer umfangreicher, immer komponierter wurden, also Bücher abgaben und nach einem Buchverlag riefen, nicht nach Zeitschriftenseiten, auch wenn die mit DIN A 3 ziemlich groß waren. Und dann war die Zeitschrift »nebenher« einfach nicht mehr zu schaffen, als ab 1993 jährlich 10, dann 15, dann 15 bis 25 Bücher erscheinen sollten. Das nun wieder auflegen? – Warum?

Zum einen ist die Kaffeehaus-Kultur, die Mitte der 1990er plötzlich einbrach – alles sollte eher Bistro werden oder sonstwie chique, die Coffee-to-go-Ketten wuchsen aus dem Boden, die großen alten Cafés schlossen –, diese Freude am Café, am guten Platz, am Verweilen in charmanter Umgebung ist wieder da seit einigen Jahren. Und damit der Ort, an dem SCHRiTTE hing. Und ihre Leser fand. Und zum Zeitverbringen mit klugen, verblüffenden, wichtigen, erhellenden Texten einlud. – Aha, es ist also etwas Nostalgisches?

Ja. Und mehr.

Das Buchprogramm, das einst die SCHRiTTE ablöste, ist inzwischen fast 25 Jahre alt. Das ist nun aus den Kinderschuhen raus. Und da kann das, was damals viel Spaß (neben ewiger Rennerei und Sorgen um die Finanzierung) machte, wieder seinen Raum bekommen. Einerseits …

Denn andererseits ist so ein Verlag natürlich nie aus dem Gröbsten raus, Literatur-Verlag bleibt eine heikle, will nicht sagen bedrohte, aber doch mit allen Mitteln zu stützende Einrichtung. Da kann ein Periodikum helfen, das in seinen besten Zeiten immerhin rund eine Viertelmillion Leser erreichte, also auch werbliche Wucht entfalten kann. – Eine 1/4 Million Leser? Eine Literatur-Zeitschrift?

10 Wochen, also 70 Tage Aushang in rund 1.400 Cafés bundesweit, am Tag durchschnittlich 2,5 Leser pro Heft (durch langes im-Café-sitzen-und-in-der-Tasse-Rühren erhobene Statistik), einfache Multiplikation hilft hier: 245.000 Leser. Naja, mathematisch! Die zwischenzeitlich immer wieder mal geklauten, die von Frühstücksei, Wurstsalat, Milchkaffee oder Ich-bin-ein-zukünftiger-Schriftsteller-Kids mit hübschen Buntstiften in den Cafés nicht mehr wirklich zum Lesen einladenden Hefte muß man abziehen, und unser »Erhebungsraum« und die »Stichmenge« waren nicht riesig, die Auswahl also möglicherweise optimistisch vorgeprägt anstatt in einem strengen Sinne repräsentativ …

Meinetwegen! Aber es ist wuchtig genug als Medium für Texte, die sonst kaum eine Chance haben, eine nennenswerte Anzahl von Lesern zu erreichen. Für Literatur, die durch die Raster des Literaturbetriebes rauschen, die aus Kanälen kommen, in welche die Feuilletons keine Zeit mehr haben hineinzuhorchen. Für ästhetische Konzeptionen, die einfach ihre günstige Situation, die Glückliche Minute der zufälligen Entdeckung, die Begegnung brauchen. Die als Phänomen ihren Platz bekommen müssen – und dann funktionieren, greifen und packen, gelesen werden wollen.

Aber wie dem auch sei, und ob es nun 190.000 oder 300.000 erreichte Leser sein werden: Da sind wir noch lange nicht. – Wo sind wir?

Wir sind in der Startphase. Mit einer Crowdfunding-Aktion für eine möglichst weite Verbreitung der SCHRiTTE. Mit der Absprache mit unseren »Botschaftern« der SCHRiTTE, die in den einzelnen Städten (17 sind derzeit ganz sicher) die Cafés (rund 490 werden es damit mindestens sein) »behängen«. Mit der Gewinnung weiterer Städte und engagierter Verteiler (in 13 gibt es momentan nette Kontakte). Mit der Zusammenstellung der ersten Hefte (ein Vergnügen). Mit der Recherche nach möglichst schönen, aber preiswerten Haltern, nach günstigen Transportwegen zu den verteilenden Botschaftern. Mit den Abstimmungen mit einigen befreundeten Künstlern darüber, wie die Cover jenseits des SCHRiTTE-Schriftzuges aussehen werden. Mit den Gesprächen mit weiteren Unternehmen, die in SCHRiTTE inserieren würden oder die Reichweite, die Qualität und die Einzigartigkeit der Zeitschrift als Grund genug ansehen, sie als Sponsor zu begleiten.

Im Februar oder frühen März 2017 wollen wir wieder loslegen. Mit 540 Cafés als Minimum wollten wir starten, das war selbstgewählte Vorgabe. Wir werden wohl einige mehr »versorgen« und mit SCHRiTTEn »literarisieren« können, vielleicht 600, vielleicht 650 oder 700 Cafés. Leutselige, eigensinnige, schöne Plätze, die Entdeckungslust und Lesereisen einen perfekten Rahmen geben.

Das alles macht Freude, auch wenn es zum Tagesgeschäft mit den Büchern hinzukommt. Und es kommen täglich erfreuliche Kontakte und sympathisches Interesse und liebenswerte Hilfsbereitschaft auf. – Sorry, ich muß jetzt aufhören. Muß weiter, ist reichlich zu tun …

 

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